Under the Spell of Darkness 
- Forever Love - 
Band 3

Kurzbeschreibung

Das Spiel aus Macht, Leidenschaft und Geheimnissen erreicht seinen Höhepunkt.
Während alte Wahrheiten ans Licht kommen und neue Feinde auftauchen, muss Lyanna entscheiden, wem sie wirklich vertrauen kann – bevor alles endgültig in der Dunkelheit versinkt.

Leseprobe (eingekürzt)

Lyanna

Die Dunkelheit hielt mich fest, während ich durch die lautlose Leere der Ohnmacht trieb. Alles war fern – Geräusche, Berührungen, selbst meine Gedanken. Nur das pochende Echo meiner Erinnerung durchbrach ab und zu die Stille, wie eine Welle, die gegen einen alten, rissigen Strand schlägt. Was war nur aus dem Kind geworden, das einst voller Hoffnung in die Welt geblickt hatte?

Schon früh spürte ich, dass ich anders war. Meine Kindheit war durchzogen von der ständigen Präsenz der Einsamkeit – ein unsichtbarer Schleier, der sich zwischen mich und die anderen legte. In der Schule wurde mein feines Gespür zur Last. Die Kinder mieden mich, als wäre ich ein Rätsel, das sie nicht lösen wollten. Vielleicht spürten sie, dass ich Dinge sah, die andere nicht sahen – tief vergrabene Ängste, unausgesprochene Wahrheiten. Statt Anerkennung erntete ich Ablehnung.

„Die seltsame Lyanna“, flüsterten sie.

„Die Spinnerin, die Dinge sieht, die es gar nicht gibt.“

Diese Worte brannten sich wie Schnittwunden in mein Herz. Und mit jeder neuen Ausgrenzung errichtete ich eine weitere Mauer um mich. Ich versuchte, dazu zu gehören – vergeblich. Während sie lachten und sich unbehelligt durch den Tag bewegten, trug ich die Gefühle anderer wie eine zweite Haut. Ich war ein Spiegel – aber keiner wollte hineinschauen. Irgendwann beschloss ich, dass ich einen Neuanfang brauchte. Ich ließ alles zurück, zog in eine andere Stadt. Und genau dort traf ich sie – die Caelus-Brüder.

Aiden, der mit einem frechen Grinsen auf den Lippen jeden Raum erhellte.

Aurel, der mit stiller Stärke über mich wachte.

Und Apollo… Apollo war wie Sturm und Feuer zugleich.

Mit ihnen fühlte ich mich zum ersten Mal zugehörig. Nicht beobachtet. Nicht benutzt. Einfach… gesehen. [...] Sie gaben mir etwas zurück, das ich längst verloren glaubte: Vertrauen. Doch Apollo war mehr.

In ihm fand ich meinen Spiegel, der nicht zurückwich. Seine Augen hatten eine Tiefe, in der ich mich selbst erkannte – gebrochen, kämpfend, voller Sehnsucht. Unsere Gespräche glichen einem Tanz auf dem Drahtseil. [...]

Ich verliebte mich. In seine Stärke. In seine Fürsorge. In die Art, wie er mich sah, ohne zu werten. Bei ihm konnte ich mich fallen lassen [...] Zum ersten Mal war mein Schmerz nicht nur Last, sondern Brücke. Er las mich, als wären meine Wunden Worte, und er verstand sie alle.

Doch wie ein drohender Sturm zogen die Schatten erneut auf. Raphael – dieser König der Kälte – riss mich aus der neugewonnenen Wärme. Seine Männer verschleppten mich, und der Albtraum begann. Die Entführung war mehr als Gefangenschaft. Sie war systematische Zersetzung. Körperlich. Seelisch. [...] Aber in der Dunkelheit wuchs etwas in mir. Trotz aller Qual. Oder gerade deshalb. Ich begann, Muster zu erkennen. Sammelte Informationen. Beobachtete Schwächen. Meine Intuition – so oft ein Fluch – wurde zu meiner Waffe. Ich lernte, mich innerlich aufzustellen. Nicht zu zerbrechen. Nicht noch einmal.

Doch was mir am meisten Kraft gab, war Apollo. In Gedanken kehrte ich immer wieder zu ihm zurück. Zu seinem Lächeln, seinem Blick, der mich ganz sah. Zu dem Gefühl, in seinen Armen nicht falsch zu sein. Ich klammerte mich an die Erinnerung, als wäre sie ein Rettungsring in einem endlosen Ozean. Vielleicht würden wir nie wieder zueinander finden. Vielleicht war unsere Geschichte längst vorbei. Aber ich würde kämpfen. Für mich. Für mein Leben. Für die Möglichkeit, ihn eines Tages wiederzusehen – mit klarem Blick, erhobenem Haupt.

Jetzt lag ich bewusstlos im Krankenwagen. Sirenen schrien gegen den Himmel, Stimmen hallten an meinem Bewusstsein vorbei. Ich wollte rufen: Ich bin hier! Kämpft für mich!

Doch mein Körper verweigerte sich. Die Dunkelheit legte sich erneut über mich wie ein schweres Tuch. Aber ich wusste: Diesmal würde ich zurückkommen. Nicht nur überleben. Leben. Für mich. Für Apollo. Für alles, was uns einmal verbunden hatte – und vielleicht noch verbinden würde.

Apollo

Die Dunkelheit verschlang mich, als ich in die Schluchten der Ohnmacht fiel. Um mich tobte der Kampf – Schüsse, Schreie, splitterndes Chaos. Doch all das war nur Lärm. Denn in meinem Inneren zählte nur eines: Lyanna.

Mein Herz raste. Ich wollte mich bewegen, doch mein Körper lag schwer und leblos auf dem Boden. [...] Lyanna. Ein paar Meter entfernt. Regungslos. Blutverschmiert. [...] Ich konnte sie nicht schützen. Nicht halten. Nicht retten.

„Lyanna!“, rief ich, doch meine Stimme versank im Lärm.

Ihre Augen waren geschlossen. Kein Glanz, kein Leben. Nur Stille.

Raphael.

Der Moment kam zurück. Sein Gesicht. Diese Leere in seinem Blick. Die Tat, die alles zerbrach. Ich hätte es verhindern müssen. Hätte sie warnen müssen. Stattdessen lag sie nun dort – und ich versank in Schuld. Der Schmerz schnürte mir die Brust zu. [...] Ich hatte für ihre Liebe gekämpft – und verloren.

„Bitte, Lyanna“, flüsterte ich. „Bitte, bleib.“

Ich konnte nicht ohne sie sein. Nicht noch einmal. [...] Ich hob meine Hand. Ein Zucken, mehr nicht. Zu weit weg. Dann – Ein zweiter Schuss. Feuriger Schmerz. Mein Körper zuckte, die Dunkelheit schlug zu wie eine Welle. Ich fiel. Die Geräusche verschwanden. Ich hörte nichts mehr. Fühlte nichts mehr.

War das der Tod?

Inmitten der Schwärze erschien Licht. Sanft. Lyanna. Nicht ihr Körper – ihr Geist, ihr Wesen. Nah bei mir. Sie flüsterte: „Apollo… ich bin bei dir.“

Ihre Stimme klang klar, beinahe friedlich. Ich wollte sie greifen, festhalten, nie wieder loslassen. Doch das Licht entglitt mir.

„Ich bin hier!“, rief ich.

Aber mein Ruf verklang. Die Dunkelheit schloss sich wieder über mir. Ich musste kämpfen. Ein stechender Schmerz schoss durch mich, riss mich zurück. Ich spürte wieder – Erde unter mir, Kälte, Licht. Alles war fremd und grell. Ich wollte zu Lyanna. Nur zu ihr.

„Lyanna!“, schrie ich. Meine Hände tasteten in die Leere.

„Bitte...“

Doch sie war nicht da. Nur Schatten, Sirenen, Stimmen. [...] Ich öffnete die Augen. Kurz. Die Welt war umgedreht, verschwommen, zersplittert.

„Lyanna, bleib bei mir“, flüsterte ich. Meine Stimme war kaum mehr als ein Hauch.

Ich fühlte, wie ich erneut versank – in einen Nebel aus Schmerz und Ohnmacht. Ich hatte kaum noch Kraft. Aber eines war sicher: Wenn ich sterben musste, dann nicht ohne sie. Und wenn wir zurückkehrten – dann nur gemeinsam.

Aiden

Die Sirenen heulten wie ein ferner Schrei der Trauer, während wir mit rasender Geschwindigkeit durch die Nacht jagten. Ich saß neben meinem Bruder Apollo im Krankenwagen, während im zweiten Wagen Aurel bei Lyanna war. Die blinkenden Lichter, die sterilen weißen Wände und der stechende Geruch von Desinfektionsmittel verschluckten jede andere Wahrnehmung.

Ich sah auf Apollo, der angeschnallt auf der Trage lag. Blass, erschöpft, kaum noch bei Bewusstsein. Seine Lider flatterten, als würde er gegen die Ohnmacht ankämpfen – und gegen etwas viel Größeres: den Verlust von Lyanna. Ich konnte den Schmerz in seinem Gesicht lesen, selbst wenn er kaum reagierte.

„Bleib bei mir, Bruder“, flüsterte ich [...]

Aber während ich ihn so ansah, überkam mich die Angst: Wie lange würde seine Kraft noch reichen? Was, wenn wir ihn verloren? Und Lyanna? Die Vorstellung, sie beide zu verlieren, schnürte mir die Brust ab. [...] Ich sah sie wieder vor mir, wie sie lachend ins Auto stiegen. Ein ganz normaler Tag – voller Pläne, voller Leben. Sie wollten uns eine unvergessliche Party schenken. Doch Sekunden später riss ein Unfall sie uns für immer fort. Seitdem wusste ich: Nichts ist sicher. Die Dunkelheit kommt, ob du willst oder nicht.

Ich beugte mich etwas näher zu Apollo. „Du musst für Lyanna kämpfen“, sagte ich leise. „Stell dir vor, wie sie dich wieder ansieht. Wie es ist, sie in den Armen zu halten. Du schaffst das. Du hast es schon einmal geschafft.“

[...]

„Sie braucht dich“, flüsterte ich. „Wir brauchen dich. Du bist unser Rückgrat.“

[...] Ich griff nach seiner Hand. „Ich bin hier. Kämpf.“ Ein schwaches Zucken. Dann bewegte er den Kopf ein Stück.

„Kämpf… für Lyanna“, murmelte er kaum hörbar.

Seine Augen öffneten sich für den Bruchteil einer Sekunde – und ein winziger Funke Hoffnung blitzte auf.

„Genau das tun wir“, antwortete ich sofort [...] „Wir holen dich zurück.“

Draußen raste die Welt vorbei [...] Ich dachte an Aurel, der bei Lyanna war. [...] Erinnerungen stiegen in mir auf – an Abende mit Lyanna, an ihr Lachen, das wie Licht aus der Dunkelheit blitzte. [...]

„Halt durch, Lyanna“, flüsterte ich. [...]

„Es ist nicht deine Schuld“, sagte ich leise. „Wir haben viel verloren – aber auch etwas gefunden. Sie war unser Licht.“

„Und wenn es erlischt?“ Seine Stimme war brüchig, kaum ein Hauch. Aber die Angst war ohrenbetäubend.

„Dann bringen wir es zurück“, sagte ich. „Egal, was es kostet.“

Ein hektisches Funkgeräusch unterbrach uns. Irgendetwas stimmte im anderen Wagen nicht. [...] Bitte haltet durch. Bitte, Lyanna…

„Was auch passiert, Bruder“, sagte ich fester, „wir kämpfen mit ihr. Bis zum letzten Atemzug.“ Ein kaum wahrnehmbares Nicken. Aber ich sah es. Ich spürte es.

Dann stoppte der Wagen abrupt. Die Türen flogen auf, und die Sanitäter hoben Apollo aus dem Fahrzeug. [...] Kurz darauf rollte auch der zweite Krankenwagen ein. Die Türen rissen auf, und ich sah Lyanna auf der Trage – blass, verletzt, aber lebendig. Aurel war an ihrer Seite.

„Wir sind hier!“, rief ich.

Aurel trat neben mich [...]

„Die Ärzte kümmern sich“, sagte er knapp. „Sie geben alles. Wir werden sie nicht verlieren.“

[...] Wir waren Brüder – und sie gehörte jetzt zu uns. Egal, wie dunkel es wurde: Wir würden kämpfen. Gemeinsam.

„Dann lasst uns warten“, sagte ich leise. Und die Türen des Krankenhauses schlossen sich hinter uns.

Aurel

Der sterile Geruch des Krankenhauses brannte in meiner Nase, während das kalte Neonlicht über den Fliesen flackerte – grell, unbarmherzig. Aiden und ich saßen nebeneinander auf der Bank im Wartebereich. [...] Die Sekunden dehnten sich zu Stunden, während wir auf Nachricht warteten – über Apollo, über Lyanna.

Ich hörte, wie Aiden tief einatmete. „Was, wenn…“

„Nicht jetzt“, unterbrach ich ihn, leise, aber bestimmt.

„Wir dürfen nicht aufgeben. Apollo kämpft. Lyanna auch. Sie sind stark.“

[...]

Die Tür der Notaufnahme öffnete sich. [...] „Mister Caelus?“ Ich stand auf.

„Ihr Bruder hat die Operation gut überstanden“, sagte er. „Durchschüsse – nichts lebensbedrohlich. Er ist im Aufwachraum. Aber… Ihre Freundin hatte nicht so viel Glück.“

Die Worte trafen mich wie ein Keulenschlag. „Was ist mit Lyanna?“, presste ich hervor.

„Sie wird noch operiert. Ihr Zustand ist kritisch. Wir tun, was wir können.“

Aiden neben mir war aschfahl. „Was… was bedeutet das?“

„Sie ist stabil“, antwortete der Arzt ruhig. „Aber die nächsten Stunden sind entscheidend.“

Das Warten ging weiter. [...]

„Wir müssen stark bleiben“, sagte ich irgendwann.

„Apollo und Lyanna brauchen uns.“

[...]

Dann kam der Arzt erneut.

„Ihr Bruder ist wach und stabil. Sie können bald zu ihm.“

Ein Funke Erleichterung flackerte in meiner Brust auf. „Und Lyanna?“, fragte Aiden sofort.

„Sie liegt auf der Intensivstation. Ihr Zustand ist unverändert. Wir müssen abwarten.“

Ich schluckte schwer. Wieder diese Ohnmacht. Doch dann – Bewegung im Flur. Eine vertraute Stimme.

„Aurel! Aiden!“ Erol. Er kam schnellen Schrittes auf uns zu, das Gesicht ernst.

„Ich suche euch – es gibt Neuigkeiten zu Marco.“ Ich stand sofort.

„Wie geht es Apollo? Lyanna?“

„Ich habe gehört, dass sie beide die Operation überstanden haben“, erwiderte ich knapp. „Lyanna ist kritisch. Apollo stabil. Aber sag schon – was ist los?“

„Wir haben Marco lokalisiert. Ein Lagerhaus beim Hafen. Versteckt sich dort mit ein paar verbliebenen Leuten.“

Aiden stieß die Luft aus. „Scheiße… das ist unsere Chance.“

„Wir müssen vorsichtig sein“, warnte Erol. „Marco hat fast alle Verbündeten verloren. Aber wir wissen nicht, wie viele noch übrig sind.“

„Das Risiko ist es wert“, sagte ich. „Wir holen ihn. Für alles, was er getan hat.“

Erol nickte. „Ich kläre gerade, was an Leuten verfügbar ist. Sobald wir ihn haben, können wir vielleicht mehr über Raphaels Restnetz erfahren.“

Ich trat näher. „Wo genau ist das Lagerhaus?“

Erol zeigte uns die Karte auf seinem Handy.

„Hier. Zwei Zugänge. Kameras sind alt. Wenn wir uns gut positionieren, können wir ihn überraschen.“

Aiden beugte sich vor. „Das Gebiet ist verwinkelt. Wenn er uns hört…“

„Dann kreisen wir ihn ein“, sagte ich. „Zwei Teams. Eins lenkt ab. Eins greift zu.“

„Ich habe vier Leute auf Abruf“, bestätigte Aiden. „Zwei Front, zwei sichern die Rückseite.“

„Ich geh direkt an den Eingang“, fügte ich hinzu. „Wenn er rauskommt, stehe ich vor ihm.“

„Ich lenke seine Leute ab“, sagte Erol. „Wenn alles läuft wie geplant, hat er keine Chance.“

[...] „Heute Nacht“, sagte ich leise. „Beenden wir, was er begonnen hat.“

Aiden war still geworden. [...]

„Aiden“, sagte ich ruhig, „wir schaffen das. Apollo und Lyanna sind Kämpfer. Und wir sind ihre Schildträger.“

„Ich hoffe nur, dass sie es bis dahin schaffen“, murmelte er.

„Das werden sie. Und wenn sie aufwachen, dann sind wir bereit. Für sie.“

[...] „Das hier“, sagte ich ruhig, „ist nicht nur ein Zugriff. Das ist der Anfang vom Ende. Und wir schreiben es um – für unsere Familie.“

Aiden

Apollo war blass, seine Züge von Anspannung gezeichnet. Ich beobachtete ihn – sein Blick haftete starr am Fenster, als sei die Welt dort draußen das Einzige, was ihn noch an diesem Ort hielt. [...] „Sie wird es schaffen, Apollo“, sagte ich leise, um ihn zurückzuholen. „Wir haben sie gefunden. Das zählt.“

Er nickte kaum merklich. [...] „Ich hätte sie beschützen müssen.“

„Du konntest nichts tun“, versuchte ich, ihm Halt zu geben. „Raphael war ein Monster – und er ist tot. Lyanna hat die Operation überlebt.“

[...] „Aiden… glaubst du… glaubst du wirklich, dass sie es schafft?“

„Ich weiß es“, sagte ich [...]

„Lyanna ist eine Kämpferin. Sie hat so viel überstanden.“

[...]

„Weißt du noch…“, begann ich leise, „…als wir sie das erste Mal gesehen haben?“ [...]

„Vor dem Club“, sagte er schließlich, tonlos.

„Sie sah verloren aus. Nicht wie jemand, der dazugehören wollte. Sondern wie jemand, der zufällig dort gelandet ist – und genau das wusste.“

Er nickte.

„Du warst schon auf dem Weg rein – wie immer. Fokus. Kontrolle. Kein Blick zurück.“

Ein flüchtiges Lächeln zuckte über sein Gesicht. Ein trauriges. „Ihre Schuhe waren staubig. Kein Make-up. Kein Schmuck. Aber ihre Augen…“ Er schloss kurz die Lider, als würde er sie vor sich sehen. „Die hatten mehr Glanz als alles, was da drinnen je gefunkelt hat.“

Ich lächelte.

„Sie wollte nur nach dem Weg fragen. Und der Türsteher hat sie behandelt wie… Dreck. Ich hätte ihn am liebsten rauswerfen lassen.“

Apollo nickte langsam. „Sie hat sich bedankt. Ganz leise. So ehrlich.

Es klang, als würde sie sich entschuldigen – einfach dafür, dass sie überhaupt existierte.“

[...]

„Und jetzt...“, murmelte Apollo, ohne mich anzusehen, „…jetzt liegt sie zwischen Leben und Tod. Und ich sitze hier – als Zuschauer. Nicht als der Mann, der sie hätte schützen sollen.“

Ich legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Du bist da. Vielleicht nicht perfekt. Aber da. Und das zählt.“

Er schwieg. Doch ich sah ihn – diesen kleinen Gedanken, der sich an seine Hoffnung klammerte. Noch leise. Noch schwach. Aber da.

Esteria

Der Abend war still. [...] Ich stand an Lyannas Bett und wechselte den Verband an ihrem Arm. Die Haut darunter war blass, aber die Wunden heilten – äußerlich zumindest. Die Monitore zeigten stabile Werte: Puls, Atmung, Temperatur. Alles im grünen Bereich. Und doch… Etwas stimmte nicht. Ihr Körper war da – aber ihre Seele… zu weit weg. [...]

„Lyanna…“

Ich sprach ihren Namen zum ersten Mal laut. [...] In diesem Moment zuckte ihr Zeigefinger. Ein winziger Impuls – aber echt. Ich hielt den Atem an. Kontrollierte sofort die Werte. Kein Alarm. Kein Stress. Nur... Bewegung.

„Guten Abend, Lyanna“, flüsterte ich. „Sie sind im Krankenhaus. Sie wurden schwer verletzt. Aber Sie leben. Sie sind in Sicherheit.“

Ihre Lider flackerten. [...] „Niemand wird Ihnen etwas tun. Sie sind nicht mehr dort. Sie können zurückkommen. Wenn Sie wollen.“

Ein leichtes Zittern durchlief ihre Schulter. [...] Ich griff zum Telefon, wählte die Nummer des diensthabenden Arztes.

„Dr. Belgin? Schwester Esteria. Aufwachraum 308 – Lyanna Parker. Ich glaube, sie beginnt zu erwachen. Nicht vollständig, aber... es bewegt sich etwas.“

[...]

Ich legte auf – zögerte – und griff erneut zum Hörer. Interne Leitung 92. Die Etage der Sonderpatienten.

„Caelus? Hier ist Schwester Esteria. Ich wollte informieren… Ihre Freundin, Lyanna – sie hat reagiert. Nur kurz, aber ich denke, es beginnt sich etwas zu verändern.“

[...] „Ich bin unterwegs.“ [...]

Die Tür öffnete sich. [...] Aiden betrat das Zimmer zuerst – schob einen Rollstuhl vor sich her. Darin saß Apollo. Blass. Geschwächt. [...] Aiden positionierte den Rollstuhl direkt an Lyannas Bett.

„Sie hat reagiert“, sagte ich ruhig.

„Für einen Moment war sie wach. Die Augen geöffnet. Sie sprach.“

Apollo sog scharf die Luft ein. [...] „Was hat sie gesagt?“

„Sie fragte, wo sie ist… und warum sich alles so schwer anfühlt.“ Ich zögerte. Dann sah ich ihn direkt an. „Und sie sagte: ‚Er war da.‘“

Aiden fluchte leise. „Marco…“, knurrte er. „Wenn er es gewagt hat, hier aufzutauchen—“

„Ich kann nichts beweisen“, unterbrach ich leise.

„Aber ihr Zustand fühlt sich nicht nur medizinisch an.“

Apollo sagte nichts. Er starrte Lyanna an [...] Langsam hob er die Hand – zitternd – und berührte ihre.

„Ich bin hier“, flüsterte er. „Ich bin hier, Lyanna. Bitte… bleib.“

Doch sie reagierte nicht. [...] Ich sah, wie sich etwas in Apollo veränderte. [...]

„Du musst dich ausruhen“, sagte Aiden sanft.

„Ich bleibe“, entgegnete Apollo nur.

„Nur kurz“, schaltete ich mich ein. „Ihre Werte sind stabil. Aber sie braucht Ruhe – genauso wie Sie.“

Apollo reagierte nicht. Er sah sie einfach nur an. Und dann… sackte er in sich zusammen. [...] Aiden legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Wir kriegen sie zurück, Bruder.“

Apollo nickte. Aber es war mechanisch. Keine Überzeugung. Nur Bewegung. Und ich wusste: Der Mann, der hier saß, war nicht mehr derselbe wie der, der diese Frau einst mit seiner Liebe gerettet hatte. Etwas in ihm begann, sich zu verschließen.

Und das bedeutete, die Dunkelheit wuchs nicht nur in Lyanna – sie kroch auch durch ihn hindurch.

Marco

Die Neonlichter im Flur flackerten leicht, als ich durch den Korridor ging. Langsam. Nicht zu langsam. Nicht auffällig. Routine war Tarnung. Der weiße Kittel saß perfekt. [...] Das Namensschild – „Dr. M. Berger“ – echt genug, um keine Fragen zu stellen. [...] Ich passierte zwei Pfleger. Einer nickte mir zu. Ich nickte zurück. [...] Unsichtbarkeit durch Normalität.

Der Wind auf dem Parkdeck war schneidend kalt, als ich die Glastür aufstieß. [...] Ein letzter Blick zurück – kein Alarm, keine Bewegung.

Perfekt.

Ich öffnete die Tür des schwarzen Vans, setzte mich hinter das Steuer. [...] Ich griff in die Innentasche meiner Jacke, zog eine kleine, leere Ampulle hervor. Hielt sie gegen das Licht des Bordcomputers. Der Inhalt war verschwunden – aber er war dort gewesen.

Das Serum.

Dosiert. Maßgeschneidert. Für sie. Nur sie. Sie würde nicht sterben. Das wäre zu einfach. Nein – sie würde schlafen. Sehen. Fühlen. Gefangen sein. Ein schiefes Lächeln huschte über mein Gesicht.

„Ich werde dich retten, Lyanna.“

Dann steckte ich die Ampulle ein, startete den Motor und fuhr los. Keine Eile. Ich hatte, was ich wollte. Und niemand hatte etwas bemerkt. Nicht im Flur. Nicht in der Nacht. Nicht bei ihr.

[...]

Am Morgen parkte ich in der Tiefgarage eines Hochhauses. [...] Das Café im vierten Stock war ideal. Guter Überblick. [...] Ich bestellte einen doppelten Espresso. [...] Dann sah ich ihn. Pünktlich. Natürlich.

Aurel Caelus betrat das Klinikgebäude mit jener steifen Eleganz, die ihn seit jeher umgab. [...] Er trug Schwarz. Immer Schwarz. [...] Aurel sprach mit dem Pförtner, trug sich ein. Höflich. Kontrolliert. Widerlich. [...] Er hatte keine Ahnung, was wirklich passiert war.

Nicht, was mit Lyanna geschehen war. Nicht, was noch kommen würde. Ein schmales Lächeln stieg in mir auf. [...] Sie alle standen am Rand eines Abgrunds – und keiner von ihnen sah, wie nah sie schon waren.

Ich lehnte mich zurück, warf einen Blick auf die Uhr. [...] Jetzt genoss ich den Moment. Den Moment, in dem die Ordnung der Caelus-Brüder zu wackeln begann. Weil sie Lyanna nicht retten konnten. Nicht diesmal. Nicht wirklich. Und wenn sie tief genug gefallen waren, werden sie kommen.

Beten. Verhandeln. Flehen. Und dann… Dann werde ich entscheiden, ob ich zuhöre.

© 2026 Ramona Romeiko (Autor). Alle Rechte vorbehalten.

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