Under the Spell of Darkness
- The Fall -
Band 2
Kurzbeschreibung
Die Schatten werden tiefer und die Grenzen zwischen Vertrauen und Verrat verschwimmen.
Lyanna erkennt, dass die Welt des Caelus-Syndikats gefährlicher ist, als sie jemals geahnt hat – und dass manche Entscheidungen nicht nur ihr Herz, sondern auch ihr Leben kosten können.
Leseprobe (eingekürzt)
Lyanna
Während der langen Zeit im Verlies begann eine Wandlung in mir. Ich war zwar körperlich angeschlagen, doch die Flamme meines Willens war nicht erloschen. Tief in meinem Inneren formte sich eine leise, aber unaufhörliche Revolte gegen die Schmerzen meiner Gefangenschaft, die mich gefangen hielten. Die Erinnerung an die Brüder, an unsere gemeinsamen Momente und die unzertrennbare Bindung zwischen uns hielt mich am Leben. In der Einsamkeit, umgeben von meinen Qualen, begann ich einen Plan zu schmieden. Ich wusste, dass ich nicht ewig aushalten konnte. Wenn sich die Gelegenheit bot, würde ich bereit sein.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich die schweren Schritte, die zuvor ein Zeichen für Angst und Schrecken waren, sie klangen jetzt wie eine Melodie aus der Vergangenheit. Sie gaben mir die Energie, weiterzukämpfen. Als Vittorio erneut erschien, um mich zu verhören, fand er in mir keine willige Gesprächspartnerin vor.
„Hast du eine Entscheidung getroffen?“, fragte er. Sein Kinn hielt er stolz in die Höhe und schaute mit einem Blick auf mich herab, der keine Zweifel darüber zulassen wollte, wer sich hier in Kontrolle befand.
„Ihr werdet niemals siegen“, antwortete ich mit fester Stimme, mein Herz klopfte wie wild. „Ich weiß, dass ihr verlieren werdet, egal was ihr denkt wie mächtig ihr auch seid.“
Vittorio schnaubte verächtlich, doch ich bemerkte eine kaum erkennbare Unsicherheit in seinem Blick. [...] „Du bist hartnäckig“, murmelte er. „Aber das wird dir nichts nützen, wenn die Caelus beginnen, sich gegen dich zu wenden.“
In diesem Moment spürte ich, dass mein Widerstand ihn verletzte, und vielleicht würde ich dafür zahlen. Doch ich dachte erst gar nicht daran, aufzugeben.
Die Stunden vergingen in einem grausamen, langsamen Takt. Ich konnte das schwache Licht unter der verschlossenen Tür sehen. Es erinnerte mich an die Freiheit, die ich so schmerzlich vermisste.
Die Erinnerungen an die Caelus-Brüder waren mein Licht in diesem Schattenreich. Es waren nicht nur flüchtige Gedanken; es waren lebendige Szenen, die sich wie ein heimlicher Film in meinem Geist abspielten. Das Lächeln von Aiden, die schönen Gespräche mit Aurel und die Nächte, die ich mit Apollo verbrachte, während die Sterne über uns funkelten – jeder kostbare Moment stärkte meinen Glauben daran, dass die Hoffnung nicht für immer verloren war. Ich fühlte die Bindung zu ihnen wie einen unsichtbaren Faden, der mich mit der Außenwelt verband und wie ein Rettungsseil an mir zog. Ich schöpfte neue Energie aus der Gewissheit etwas zu haben, wofür es sich zu kämpfen lohnte.
[...]
Als Marco erschien, überwältigte mich ein Gefühl von Verwirrung und Hoffnung. Hier war jemand, der mir in meiner Lage helfen konnte - oder sie zum schlimmeren wenden würde. In jeder Interaktion mit ihm lag eine Chance, aber auch eine Gefahr. Ich würde vorsichtig sein müssen. [...] Die Hoffnung war ein kleiner Funken in meinem Herzen, der gleichzeitig im Boden des Misstrauens zu ersticken drohte.
[...]
Während die Stunden in der qualvollen Einsamkeit vergingen, spürte ich, wie sich Wut in mir aufstaute. Der Zorn auf meine Peiniger, auf die Ungerechtigkeit, die mich dieser Tortur aussetzten. Dieser Zorn war der Nährboden für meine Entschlossenheit und in ihm fand ich Stärke. [...] Ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sich eine Möglichkeit zur Flucht ergeben würde. Jeder Moment, den ich aushielt, brachte mich meinem Ziel näher. Immer wieder drifte ich weg, bis Marco erneut vor mir stand, ohne zu wissen, dass er das Ticket zu meiner Freiheit in seinen Händen hielt. Er brachte mir Wasser und eine Schale mit Brot und blieb dieses Mal länger stehen als nötig Vielleicht war es etwas in meinen Augen, dass ihn innehalten ließ. Vielleicht war es auch reine Neugier.
„Du hörst dich besser an“, sagte er überrascht, „Du kämpfst noch, Lyanna. Das ist gut.“ In diesem Moment erkannte ich meine langersehnte Chance. Wenn Marco kein loyaler Soldat war und sich gegen die Dunkelheit wandte, konnte er vielleicht mein Weg nach draußen sein.
„Marco“, begann ich vorsichtig. „Ich weiß, dass du…“ „Still!“, fiel er mir ins Wort. Sein Ausdruck wechselte zu Besorgnis. Etwas sanfter fügte er hinzu: „Sie dürfen mich nicht hören.“
„Sie sind sich sehr sicher, dass sie dich brechen werden. Aber in deinen Augen sehe ich, dass Leben. Du bist stark, viel stärker, als sie ahnen. Ich… ich kann dir nicht helfen. Du weißt, wozu sie fähig sind.“
„Aber du kannst“, entgegnete ich eindringlich. „Wenn du mir nur einen Hinweis gibst, wie ich entkommen kann.“
Er sah sich um, als könnte er meinen Fluchtversuch bereits vorausahnen, und flüsterte schnell: „Der Ausgang ist hier im Verlies. Den Weg lang, die kleine Treppe nach oben und dann rechts durch die Tür, danach siehst du es schon, aber die Wachen sind überall. Alle dreißig Minuten wechseln sie ihre Plätze. Du musst klug handeln, und du musst schnell sein. Wenn sie dich erwischen, wird es dein Ende sein. Und ich kann nichts tun, wenn sie kommen.“
Seine Hilfe war ein entfachter Sturm der Flammen, den ich brauchte. Als Marco die Zelle verließ, begann ich meinen Plan zu überdenken. Ich kannte die Gegebenheiten und den Weg, den ich nehmen musste. [...]
In der Finsternis der kommenden Stunden schloss ich meine Augen, um mich zu konzentrieren und meinen letzten magische Funken zu aktivieren. Die Fesseln, die mich gefangen hielten, konnten brechen, aber zuerst musste ich mich um die Wachen kümmern. Derbe Schritte halten von den Wänden und ich wusste, dass Vittorio bald zurückkehren würde.
Ich atmete tief durch und bereitete mich vor. Nach all den Stunden des Stillstands war ich fest entschlossen, mich gegen diese grausame Welt zu wehren, die mich gefangen hielt.
*
Das Verlies brachte eine bedrückende Stille mit sich, die sich in jedem Schatten und jeder Nische niederlegte. Ein kühler Hauch durchbrach die stickige Luft, als die schwere Tür aufschwang. Marco trat ein, doch dieses Mal nicht allein. [...] Hinter ihm stand Vittorio mit einem Bündel Klamotten unter seinem Arm und pure Selbstsicherheit in jeder Zelle seines Körpers ausstrahlend.
„Steh auf, Lyanna!“, befahl er mit einer donnernden Stimme, die alle Kraft und Hoffnung zu erstickten drohte. [...]
„Kann ich endlich gehen?“, fragte ich mit fester Stimme. „Wo bringt ihr mich hin?“ [...] „Was wird mit mir passieren?“.
„Was schert es mich?“, erwiderte Vittorio und zuckte mit den Schultern. Sein Blick war kalt und verschlossen; ich konnte keinen Hinweis auf seine wahren Absichten finden.
Marco wandte sich mir zu, und ich sah das Bedauern in seinen Augen. Vielleicht würde er mir helfen. [...]
„Komm jetzt!“, rief Vittorio und riss mich aus meinen Gedanken. „Beeil Dich. Vielleicht lassen wir dich dann am Leben.“
Die beiden Männer wandten sich zur Tür, doch ich machte keine Anstalten, ihnen zu folgen. [...] „Ich werde nicht mit euch gehen!“, rief ich und spürte die Wut in mir aufstiegen.
Vittorio lächelte mit einem gefährlichen Leuchten in seinen Augen. „Du hast nicht viel zu sagen in dieser Situation, Lyanna! Marco, … zieh ihr die Sachen über und dann raus hier“.
Mein Herz pochte wie wild in meiner Brust, als Marco sich widerwillig rührte. [...] „Lyanna, mach keinen Unfug.“ Seine Warnung klang mehr wie ein Flehen.
Sie zogen mich hoch, und ich fühlte Marcos kalte Hände an meinen Armen, während Vittorios Atem, heiß und abgestanden, mir in die Nase stieg. „Beeil dich! Wir haben keine Zeit zu verlieren!“, drängte Marco und zog mir ruppig die Kleidung und ein paar Schuhe an, bevor er mich vor sich her nach draußen schob. Die Welt um mich herum verschwamm. Ich war zu schwach. Das wenige Essen was ich bekommen hatte, hielt mich nur am Leben.
Doch ich konnte nicht anders – die Vorstellung, mich wie ein Stück Vieh abschieben zu lassen, jagte mir Angst ein. Als ich vor Marco lief, spürte ich, wie mein Wesen sich auf mein Ziel fokussierte; Es war Zeit zu handeln - jetzt, oder nie.
[...]
Endlich erreichten wir die steinerne Treppe und die Tür die ins Freie führte. Das Licht, das durch die Tür fiel, war ein blasser Hoffnungsschimmer, der mir einen Funken Mut gab. Ich konnte die Geräusche der Außenwelt hören – das Surren von einem Fahrzeug und das Rauschen des Windes. Für einen kurzen Moment schien es, als würde die Freiheit nur einen Schritt entfernt sein.
[...]
Mit zitternden Knien trat ich schließlich ins Freie. Der Hauch frischer Luft war kühl und berauschend, und ich füllte meine Lungen damit, als wäre es mein letzter Atemzug der Freiheit. Marco schob mich vorwärts, und ich sah das Auto, das auf uns wartete – ein schwarzer SUV, der drohend in der Dämmerung stand. Angst durchzuckte mich, als ich realisierte, dass das Ende meiner Flucht möglicherweise genau dort auf mich wartete.
„Beeil dich!“, drängte Marco und ich spürte, wie seine Ungeduld mich vorantrieb. [...] Vielleicht gab es einen Weg, dieser Hölle zu entkommen. Einen Menschen, nur irgendeinen, der mir helfen könnte, wenn ich schreie.
Während ich dem SUV näher kam, überkam mich ein plötzlicher Adrenalinschub. Ein verzweifelter Gedanke, ein Fluchtversuch, schoss durch meinen Kopf. „Jetzt oder nie!“, flüsterte ich mir selbst zu. Mit einem schnellen, ungestümen Ruck befreite ich mich kurz von Marcos Griff und rannte in die Richtung der nahegelegenen Bäume.
„Halt!“, hörte ich Marco hinter mir schreien, sein Wutausbruch hallte durch die Stille wie ein Donnerschlag. „Komm zurück!“ Ich fühlte, wie die Angst mich anfeuerte, in den Schatten zu verschwinden, und ich schrie mit all meiner Kraft um Hilfe, meine Stimme erklang voller Verzweiflung. „Hilfe!! Hilfe!“
Doch kaum war ich einige Schritte vorangekommen, fühlte ich einen starken Ruck an meinem Arm, als er mich wieder packte und zurückzog. Nicht so schnell!“, zischte er, der Zorn in seiner Stimme schlang mich wie ein erdrückendes Netz ein. Schmerz durchzuckte mich als ich zu Boden fiel, und die Hoffnung, die mir einen Moment lang Flügel verliehen hatte, schloss sich um mich wie ein festes Geschirr. Mit einem wütenden Stöhnen landete ich wieder an Marcos Seite; mein verzweifelter Fluchtversuch war gescheitert, und die Dunkelheit um mich herum schien gesichtslos zu lachen.
„Denk nicht dran, zu rennen, oder ich stutz dir deine hübschen Flügel“, schnaubte Vittorio mir ins Gesicht.
„Benimm dich jetzt!“, warnte Marco flüsternd in mein Ohr, und ich bemerkte den besorgten Ausdruck in seinen Augen. [...]
Ich drehte meinen Kopf langsam zur Seite, in der verzweifelten Hoffnung, jemanden zu sehen, der mein Hilfeschrei mitbekommen hat. Am Ende der Straße sah ich einen anderen SUV. Warum nur kam er mir vertraut vor? [...]
Die Hintertür des SUVs wurde abrupt geöffnet und sofort stießen sie mich hinein. Der Motor heulte auf, und ich wurde von der Enge des Innenraums erdrückt. Das Dröhnen des Motors übertönte die Schreie der letzten Tage, aber die Ungewissheit, was mich in dieser schicksalhaften Fahrt erwarten würde, nagte an mir wie ein hungriges Tier.
[...]
Als ich einen Blick nach draußen wagte, spürte ich, wie mein Herz drohte, stehen zu bleiben. In dem Rückspiegel sah ich die Lichter des Verfolgers, der uns dicht auf den Fersen war. Angst überkam mich.
„Wir müssen schneller fahren!“, flüsterte Marco, die Dringlichkeit seiner Worte sprudelte heraus.
„Calm down, Marco!“, erwiderte Vittorio, aber seine Stimme klang nicht beruhigend.
Gerade als ich mich in meiner Verzweiflung abfand, bemerkte ich im Rückspiegel eine plötzliche Bewegung. Das Verfolgerfahrzeug zog näher [...] „Sie kommen näher!“, schrie Marco [...] „Bereit machen!“, rief Vittorio [...]
Der SUV raste durch die Straßen [...] „Da ist eine Abkürzung!“, rief Marco [...]
[...]
Schließlich erreichten wir einen schmalen Feldweg, der direkt zum Rollfeld des nahegelegenen Flughafens führte. Die blinkenden Lichter des Flughafens waren wie ein Weihnachtsbaum in der Dunkelheit. Ich hätte weinen können vor Erleichterung, doch es war noch nicht vorbei.
„Wir müssen jetzt schnell handeln!“, rief Vittorio, während er das SUV auf dem Rollfeld abstellte.
Die Tür wurde aufgerissen und blendendes Licht strömte hinein. Vittorio stand vor mir, hinter ihm Marco und die beiden Männer, mit einem Ausdruck der Arroganz auf ihren Gesichtern. „Komm jetzt“, befahl Vittorio erneut und zog mich grob aus dem Wagen. Ich stolperte, aber fing mich wieder und folgte den beiden in einen Privatjet, der vor uns aufragte. Panik durchströmte mich.
Aurel
Ich saß angespannt hinter dem Lenkrad meines Wagens, meine Finger fest um das Steuer geklammert. [...]
In der Ferne erblickte ich einen dunklen SUV, der vor der Eingangstür mit laufendem Motor hielt. Mein Bauchgefühl meldete sich zu Wort - und verhieß nichts Gutes. [...] Als die schwere Tür des Gebäudes aufschwang und Vittorio und Marco hervortraten, überkam mich ein Gefühl von Zorn und Freude. Sie führten Lyanna heraus – gefesselt, verletzt und voller Angst in ihren Augen.
„Das darf einfach nicht sein…“, murmelte ich, während mein Herz in meiner Brust zu rasen begann. Mein Blick war fest auf Lyanna gerichtet. Ich sah, wie sie verzweifelt gegen ihre Fesseln ankämpfte [...] Ich konnte nicht zulassen, dass sie in den Händen dieser Ungeheuer blieb, aber ein jetziger Zugriff wäre Selbstmord, für uns beide. Ich brauche unsere Männer. Jetzt. Bei dem Gedanken daran nahm ich mein Telefon zur Hand und begann unweigerlich mit den Zähnen zu knirschen. Mein Akku war leer.
Durch meine Windschutzscheibe beobachtete ich den SUV [...] als ich Lyanna sah, wie sie sich aus Marcos Griff befreite und mit einer plötzlichen Entschlossenheit in die Richtung der nahegelegenen Bäume rannte.
[...]
„Halt!“, hörte ich Marco hinter ihr schreien [...] Sie schrie mit aller Kraft: „Hilfe!! Hilfe!“ [...]
Doch kaum war sie einige Schritte vorangekommen, sah ich, wie Marco sie mit einem brutalen Ruck zurückzog [...] Die Hoffnung, die ich in ihren Augen gesehen hatte, erlosch in einem Moment [...]
[...]
In diesem Moment wollte ich sie erreichen, sie mit einem Blick beruhigen und ihr zeigen, dass sie nicht allein war. Doch mein Herz sank [...] Ich wusste, dass ich nichts tun konnte, dass ich nur ein stummer Beobachter war [...]
Als die beiden Männer sie in den SUV stießen, schien die Zeit tatsächlich stillzustehen. [...]
„Ich komme“, flüsterte ich, während ich meinen Motor startete.
„Nein, nein, nein!!!“, schrie ich. Der Abstand zwischen mir und Lyanna wuchs rasant [...]
Ich raste weiter durch die Straßen [...] Doch die kurvenreichen Gassen schienen kein Ende zu nehmen, und schließlich sah ich das Fahrzeug vor mir in der Dunkelheit verschwinden.
[...]
Ich musste Lyanna finden, entschlossen, nicht länger nur zuzusehen. [...] „Scheiße!“, murmelte ich, als ich Richtung nach Hause fuhr.
Ich wusste, dass wir nicht ruhen würden, bis wir sie zurückgeholt hatten. Es war, wie wir es besprochen hatten: Sie war nicht nur unsere Hoffnung, sondern unser Lebenszweck. Und wir würden alles daransetzen, sie zu retten.
*
Ich stand vor unserer Haustür und spüre mein Herz rasen. Endlich bin ich zu Hause angekommen. Ich atmete tief ein und öffnete die Tür. "Hey, wo seid ihr? Sitzung!" schrie ich ins Haus hinein.
Apollo und Aiden kamen aus dem Kaminzimmer gelaufen, ihre Blicke fragend auf mich gerichtet. "Was ist los, Aurel? Du siehst scheiße aus", sagte Apollo besorgt.
„Lyanna“, entfuhr es mir fast unwillkürlich [...] "Ich habe Lyanna gesehen...", begann ich zögernd.
„Was meinst du damit? Wo hast du sie gesehen?“ fragte Apollo mit seiner tiefen Stimme [...]
"In der Nähe des alten Steinbruchs am Stadtrand", antworte ich ruhig. "Sie wirkte verstört... Verängstigt."
"Hast du sie angesprochen?" fragte Apollo neugierig.
"Nein", antwortete ich nachdenklich," Sie wurden von den Ferragostos in einen SUV gestoßen und dann sind sie in Windeseile davon gerauscht. Es war reiner Zufall, dass ich den Moment mitbekommen habe".
[...] „Sie lebt.“
Dann sprach Apollo als Erster: "Ich gehe telefonieren!“
[...]
So beschlossen wir gemeinsam, einen Plan zu schmieden – für Lyanna, unsere verlorene Liebe, deren Rückkehr uns alle mit Hoffnung erfüllte. [...] "In Ordnung," flüsterte Apollo schließlich mit fester Stimme. "Lass uns aufbrechen."
Lyanna
Ich erwachte mit einem stechenden Druck hinter meinen Augen und einem bitteren Geschmack der Angst auf der Zunge. Der Raum, in dem ich mich befand, war düster und bedrückend. [...] Nur ein schmaler Lichtstrahl fiel durch einen schmutzigen Spalt unter der Tür [...]
Ich lag auf einem kalten, harten Bett [...]
Um mich herum schien die Stille fast greifbar [...] Das einzige Geräusch, das ich wahrnehmen konnte, war das leise Murmeln von Frauen, die in einer Ecke des Raumes kauerten. [...] Gelegentlich sickerte ein leises Stöhnen durch die Stille [...]
Als ich mich aufsetzte, erblickte ich die anderen Frauen, die mir fremd waren. Einige hatten verletzte Gesichter, ihre Augen blickten gläsern und verloren, während andere in ein gespenstisches Schweigen gefallen waren. Ich spürte, wie sich mein Herz zusammenzog; diese Frauen und ich waren durch etwas unvorstellbar Bedrohliches verbunden.
Dumpfe Stimmen drangen aus dem Flur herüber, und ich konnte einige Worte auffangen: „vermutlich“, „Druck“, „Raphael“. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Raphael, der Anführer des Ferragosto-Clans. Die Brüder hatten mir von ihm erzählt, von seinen gefährlichen Geschäften und die Boshaftigkeit die ihn umgab. Doch jetzt war ich nicht mehr nur eine Hörerin der Geschichten; ich war Teil dieser grausamen Realität.
Ein leises Flüstern riss mich aus meinen Gedanken. „Hast du auch diese Droge bekommen?“ Eine der Frauen sprach zu mir, ihre Stimme zitterte. [...] „Sie haben uns gefangen genommen, um für sie zu arbeiten. Sie sagten, es sei zu unserem besten Wohl. Aber das stimmt nicht!“
Ich konnte kaum glauben, was ich hörte. [...]
Eine andere Frau, etwas älter, trat auf mich zu. [...] „Ich heiße Sienna. Du bist nicht allein, verstehst du? Du musst stark sein. Wir müssen hier raus!“
Ich nickte, und ein Funke des Mutes begann in mir zu glühen. Aber ich musste mehr wissen. „Was haben sie mit uns vor?“
Sienna zuckte zusammen [...] „Sie handeln mit uns, mit unseren Körpern. Sie setzen uns unter Drogen – so vergisst man schnell, wer man ist und wo man ist. Wir müssen arbeiten, für ihre Geschäfte, für ihre Partner. Die Männer… sie sind grausam, und die Drogen machen uns gefügig. Aber wir dürfen nicht aufgeben. Wir müssen einen Plan schmieden. Einige der Frauen haben bereits aufgegeben, andere haben wir verloren.“
Als Siennas Worte wie ein erdrückender Schatten über mich fielen, wurde mir klar, dass ich in einer Hölle gefangen war. Der Ferragosto-Clan war weit mehr als ein Machtspiel; er war ein Netzwerk aus Unterdrückung und Missbrauch, aus dem es kein Entkommen zu geben schien.
Plötzlich hörte ich Schritte vor der Tür. Ein Schlüssel drehte sich im Schloss, und die Tür öffnete sich mit einem quälenden Knarren. Raphael, der gefürchtete Anführer, trat in den Raum. Sein Blick durchbohrte uns, während sich sein Gesicht in einer Maske aus Arroganz und Macht verhärtete.
„Ah, meine neuen Schätze“, sprach er mit einem tiefen, wohlklingenden Tonfall, der gleichzeitig eine grausame Kälte ausstrahlte. „Willkommen in eurem neuen Leben.“
Erst jetzt sah ich mir ihn genauer an, nicht mehr durch einen Schleier. Raphael war ein Mann, der in jeder Hinsicht Präsenz zeigte. [...] Sein Blick war durchdringend, die Augen hell und kalt [...]
[...] Sein Ruf war gefürchtet, nicht nur wegen seiner Illegalität, sondern auch wegen der kalten Berechnung, mit der er seine Ziele verfolgte. Die Menschen in seiner Nähe waren sich stets bewusst, dass er bereit war, alles für seine eigenen Interessen zu tun, ohne Rücksicht auf andere. Raphael war ein Meister darin, Emotionen zu manipulieren und seine Mitmenschen in seine Spielchen zu verwickeln.
Im Grunde stand Raphael Apollo im nichts nach. Nur ein entscheidender Unterschied hatten die Beiden. Apollo hatte Ehre. Er wusste was Respekt und ein Versprechen bedeutete.
Bei dieser Erkenntnis kroch ein Zittern in mir hoch, als ich ihn ansah. Der Drang zu fliehen war stark, aber ich wusste, dass ich mich nicht einfach in dem Schatten verlieren durfte. Die anderen Frauen starrten ihn mit einer Mischung aus Furcht und Abneigung an. Während Raphael uns musterte, erkannte ich, dass die Zeit drängte. Ich musste hier raus.
„Wir sind hier, um zu bleiben, nicht wahr?“, sagte Raphael mit einem gehässig-anmaßenden Lächeln, das mir Übelkeit bereitet. „Ich verspreche euch, es wird ein aufregendes Leben, solange ihr brav seid.“
In der Dunkelheit des Raumes spürte ich, wie sich die Wut in mir aufstaute. Niemals würde ich mich ohne Kampf ergeben. Ich musste herausfinden, wie ich meine Umgebung zu meinem Vorteil nutzen konnte und musste lernen, meine Worte zu schärfen und die anderen Frauen dazu zu bringen, an einen Ausweg zu glauben.
Ich würde fliehen, das war der Plan – und ich würde kein Gespenst in dieser Hölle werden.